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Hausaufgaben für die Bildungspolitik

Veranstaltung mit Prof. Dr. Anne Sliwka am 13. Oktober

Über eins waren sich am Ende der Veranstaltung am letzten Samstag alle einig: Jeder Cent der in Bildung investiert ist, ist gut angelegt – und das nicht nur ideell, sondern auch ökonomisch. Denn ein leistungsstarkes Land hängt in jeder Hinsicht von leistungsstarken Köpfen ab.

Obwohl dies mittlerweile wissenschaftlich belegt ist, hängt Deutschland noch immer mehr als ein Jahrzehnt hinter internationalen Spitzenreitern im Bildungsbereich hinterher. Prof. Dr. Anne Sliwka von der Uni Heidelberg präsentierte im MARCHIVUM Ergebnisse aus der Bildungsforschung, die zu denken geben. Wichtig dabei: Es ist kein Rätselraten nötig um zu erkennen, warum andere Länder es besser als wir schaffen, unterschiedliche Startbedingungen auf dem Bildungsweg von Kindern auszugleichen. Ein Blick in internationale Studien genügt – nur müssen die Ergebnisse auch in Politik und Schulen ankommen. Und genau dazu hatten wir Frau Sliwka eingeladen.

Investitionen vor allem bereits in den Vorschulbereich, eine systematischere Erfassung von Schüler*innendaten und eine darauf basierende Ressourcenverteilung an die Schulen sind etwa in Kanada Schlüssel zum Erfolg. Mit einer Aufteilung der Stadtbezirke in Sozialräumlichkeiten mit unterschiedlichem Förderbedarf ist Mannheim hier im baden-württembergischen Vergleich schon einen Schritt vorangegangen. Trotzdem gab Frau Sliwka den anwesenden Politiker*innen aus Land und Kommune noch Hausaufgaben auf den Weg – denn die Wunschliste der Bildungsforschung an die Politik ist lang.

Muss sich unsere Einstellung etwa zu den ungeliebten Vergleichsarbeiten und Evaluationen ändern? Klar wurde: Nur wenn sie auch an konkrete Maßnahmen geknüpft sind, werden diese „Kontrollmechanismen“ nicht als Überprüfung und Schikane wahrgenommen, sondern werden zu hilfreichen Instrumenten, die gewährleisten, dass Unterstützung und gezielte Förderung dort ankommt, wo sie Wirkung entfalten kann.

Eine mit mehr Leistungsüberprüfungen einhergehende Kontrolle der Lehrer*innen wurde im Publikum durchaus kritisch kommentiert. Frau Sliwka betonte jedoch: „Die Lehrerinnen werden dort dafür auch nicht alleine gelassen.“ Wenn mehr Transparenz auch automatisch mit mehr gezielter Unterstützung und mehr Teamwork im Lehrer*innenberuf einhergeht – müssen wir uns vielleicht aus den Komfortzone wagen?

Seitens des Kreisverbandes freuen wir uns über eine gelungene Veranstaltung, die einige Fachleute aus dem Bildungsbereich anlockte und bei der im Anschluss noch über die Fragerunde hinaus weiterdiskutiert wurde. Den Input nehmen wir mit nach Stuttgart, können ihn außerdem als Argument für den weiteren Ausbau der frühkindlichen Bildung und Hilfsangebote in Mannheim nutzen und werden auch im AK Bildung, Kinder und Jugend weiter über nötige Veränderungen in unserem Bildungssystem diskutieren!

Sliwka2Bild (von l. nach r.): Elke Zimmer (MdL), Sandra Detzer (Landesvorsitzende), Prof. Anne Sliwka (Uni Heidelberg), Dirk Grunert (Fraktionssprecher), Mareile große Beilage (Kreisvorstand)

 

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