Familiennachmittag sharepic

Was macht Kinder stark?

Unseren Grünen Familiensamstag bereicherte Sybille Schorsch, Dozentin für Pädagogik und Psychologie am Fröbelseminar, mit einem Vortrag zur Frage Was macht Kinder stark?
Gleich zu Beginn betonte Frau Schorsch, dass die Arbeit mit Kindern in Mannheim bereits recht fortschrittlich sei und man viele gute Schritte schon gegangen sei. Mannheim sei auf einem guten Weg und hielt gilt es, weiterzumachen. Damit Kinder Vertrauen in sich und ihre Umwelt haben, gehört allerdings viel mehr als ein Betreuungsplatz. Auf die Frage, was sie denn „stark“ mache, gaben Kinder laut Frau Schorsch ganz unterschiedliche Antworten. Manche Kindergartenkinder sagten „Suppe“ oder „Freunde und Freundinnen“, Grundschulkinder nannten beispielsweise „Lob“ und auch, dass es sie stark mache wenn sie etwas eigenständig tun zu dürfen ohne, dass die Erwachsenen eingreifen.
Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche Zuwendung von Erwachsenen haben, die einfühlsam und liebevoll sind, die die Bedürfnisse erkennen und das Kind achten und beachten. Nachdenklich stimmte aus Elternperspektive hier der Bericht von Frau Schorsch, dass Kinder bereits im Alter von zwei Monaten wahrnehmen, wenn sie sich die Aufmerksamkeit ihrer Eltern mit dem Smartphone teilen müssen – gerade beim Spazierengehen mit dem Kinderwagen sei das oft der Fall. Kinder spüren die immer wieder geteilte Aufmerksamkeit, wenn die Eltern auf das Handy schauen – und lernen, dass sie sich anders bemerkbar machen müssen.
Viele junge Familien können oft nicht auf die erweiterte Verwandtschaft als Unterstützungsnetzwerk zurückgreifen, wenn sie schlicht aus beruflichen Gründen nicht am gleichen Ort wohnen. Getreu dem Sprichwort: „Es braucht aber ein ganzes Dorf um ein Kind groß werden zu lassen.“ kann hier auch die Stadt mit guten Angeboten helfen. Unsere Kinder und Familien brauchen ein großes Netzwerk! In Mannheim setzen wir u.a. auf Eltern-Kind-Zentren, von denen es, wenn es nach uns geht, in Zukunft noch deutlich mehr geben sollte, wie auch Dirk Grunert eingangs erwähnte. Je bedürftiger Eltern sind, desto wichtiger ist, dass solche Unterstützungssysteme niedrigschwellig sind. Aber auch für Eltern, die alles eigentlich ganz gut gehandelt kriegen, sollte Unterstützung eine Selbstverständlichkeit sein!  Erwähnt sei an dieser Stelle auch, dass die Musikschule TonARTe, deren Räumlichkeiten wir nutzen durften, mit einem musikalisch-rhythmischen Unterstützungsprogramm an Kindertagesstätten tolle Arbeit geleistet hat, die leider wieder eingestellt werden musste. Wir wünschen uns, dass solche Kooperationen von der Stadt in Zukunft besser und langfristiger genutzt werden. Wie viel Spaß Kinder an Musik haben, hat sich bei unseren kleinen Gästen gezeigt, die am Musikworkshop teilgenommen haben :-).
Damit Eltern die Unterstützung aber auch annehmen, braucht es Vertrauen in deren Qualität. Das Sozialgesetzbuch macht klare Vorgaben, welche Kriterien solche Unterstützungssystem erfüllen müssen, aber natürlich arbeitet jede Einrichtung ein bisschen anders und ist anders ausgestattet. Etwas kritisch merkte Frau Schorsch an, dass die Erzieher*innenausbildung in BaWü, die sie grundsätzlich sehr hochwertig findet, ein Jahr kürzer sei als in anderen Bundesländern. Die Erzieher*innen seien oftmals beim Berufseintritt selbst noch sehr jung und unerfahren. Ob Eltern einer Betreuungsperson vertrauen oder nicht, spüre aber auch das Kind. Letztlich sind aber auch viele andere Dinge im Betreuungsumfeld wichtig und können von den Eltern vorher in Augenschein genommen werden: Eltern sollten dabei vor allem auf gute Räumlichkeiten achten, die nicht mit Spielzeug überladen sein müssen, aber dafür mit zum Spielen anregenden Dingen eingerichtet sind. Das können die einfachsten Dinge sein, schließlich haben Kinder Fantasie. Waldkindergärten kommen beispielsweise ganz ohne Spielzeug aus. Auch wenn wir mittlerweile mehr Bio-Essen in Schulen und KiTas durchsetzen konnten, ist beim Essen noch immer viel Verbesserungsbedarf. Frau Schorsch wünschte sich, dass eigentlich alle Einrichtungen ihre eigene Küche haben und für – am besten MIT den Kindern – frisches Essen zubereiten sollten. Auch wegen Hygienevorschriften werde dies mittlerweile kaum noch gemacht.
Wir bedanken uns für den anregenden Input und das anschließende Gespräch, das uns auch nochmal neue Gedanken mitgegeben hat!

Verwandte Artikel